Charly W.'s profileFrom Paris to Stuttgart....PhotosBlogListsMore ![]() | Help |
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May 05 KRAWALLE IN PARISNachdem nun der Präsident gewählt ist, sind auch ein paar Krawalle ausgebrochen. Direkt vor unserer Hautüre ist die Bastille. Wie man diversen Medien entnehmen kann, war das gestern die Hochburg der Ausschreitungen. Gegen 23:00 Uhr beschlossen wir, noch einen kleinen Nachtspaziergang zur Bastille zu unternehmen. Tränengas, Steine, hunderte Polizisten und Demonstranten - das ist die Bilanz von gestern. Natürlich hielten wir immer einen Sicherheitsabstand von der "Front-Row". Ich glaube, dass ich soviel Polizei wie gestern noch nie gesehen habe und nun weiß ich es auch selber, Tränengas brennt wirklich in den Augen
Gegen 01:00 Uhr hat sich die Lage beruhigt, die harten Jungs sind Richtung Norden abgezogen und wir wieder Richtung Heimat marschiert. Direkt vor unserer Tür sind die Demonstranten vorbeigezogen - auf jeden Fall müssen jetzt die Leute, die auf den Bus warten, stehen und die Telefonzellen sowie Müllcontainer sind wohl länger nicht mehr benutzbar. Anzumerken ist, dass obwohl gestern gegen 02:15 noch alles voll mit Glasscherben, Tränengaspatronen und verbranntem Müll war, heute nichts mehr davon zu sehen ist.
Allerdings muss noch gesagt werden, dass sich bei den Krawallen die richtigen Problemfälle auf vielleicht 100 bis 200 Jugendliche beschränken. Diese Zahl ist aber hoch genug, da die "Antreiber" genug Nachahmer finden. Neben uns als Zaungästen waren sicherlich mehrere Tausend Menschen auf der Bastille und Umgebung unterwegs, die jedoch friedlich ihren Unmut über den Ausgang der Wahl zum Ausdruck bringen wollten.
Interessant war auch die Strategie der Polizei, die einen inneren Ring um die "Hardcore-Demonstranten" geschlossen hat, dahinter noch einen zweiten Ring auf der Bastille und dann noch alle Zufahrtsstraßen mit Spezialtruppen geschlossen hat.
Im Endeffekt werden die sozialen Probleme der Franzosen nicht durch Festnahmen gelöst werden. Die Jugendlichen ziehen in Gruppen von 8 bis 10 Leuten durch die Gegend, schlagen Schaufenster ein, (ca. 20 m von uns entfernt wurden Jugendliche von Reportern dazu animiert, Schaufenster mit Pflastersteinen einzuschlagen, um an entsprechende Bilder zu gelangen) sind aber nur schwer zu fassen.
Wir werden sehen, ob Sarkozy in der Lage ist, die sich abzuzeichnende soziale Spaltung des Landes zu verhindern. (Empfehlen kann ich die Artikel in der Süddeutschen Zeitung, www.sueddeutsche.de, die einen Reporter direkt vor Ort hatte, der einen Live-Online-Ticker über die Krawalle geschrieben hat)
Allerdings ist die Lage ansonsten sehr ruhig, man muss schon direkt zu den Krawallen hingehen. Die Stadt ist einfach zu groß, wir wohnen zufällig in der Nähe der Bastille. Eine Seitenstraße nach rechts oder links war die Lage komplett ruhig und die Leute sind im Straßencafé gesessen, als ob nichts wäre. Ich denke, dass es in den Vororten zu weiteren Krawallen kommen wird, die Lage in der Innenstadt sich jedoch schnell beruhigen wird.
Es lebe die Republik!
(in unserer internen WG-Abstimmung hat Sarkozy mit 5:0 Stimmen gewonnen...)
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